Hypnoseforschung 2026: drei Studien, drei Fragen

Anfang September ist die bisher grösste Übersichtsarbeit zu Hypnose und Schmerz erschienen: 106 Studien, sauber ausgewertet, mit einem nüchternen Ergebnis. Ein halbes Jahr zuvor hatte ein Team aus Padua gezeigt, dass eine einzige Hypnosesitzung Medizinstudierenden in einer Stresssituation messbar hilft. Und seit den Studien der Universität Zürich weiss man, dass sich zwei Hypnosetiefen im Gehirn voneinander unterscheiden lassen. Drei Ergebnisse, die auf den ersten Blick nicht recht zusammenpassen. Auf den zweiten Blick beantworten sie schlicht drei verschiedene Fragen.
Welche Frage stellt eine Studie?
Wer Hypnoseforschung liest, stösst schnell auf scheinbare Widersprüche. Die eine Schlagzeile klingt euphorisch, die nächste ernüchtert. Meist liegt das nicht an der Hypnose, sondern an der Frage, die eine Studie stellt.
Eine Übersichtsarbeit fragt: Wie gross ist der Effekt im Durchschnitt, über viele sehr unterschiedliche Studien hinweg? Eine kontrollierte Einzelstudie fragt: Was verändert sich in einer bestimmten Situation bei bestimmten Menschen? Und die Grundlagenforschung fragt: Was ist Hypnose überhaupt, und lässt sie sich im Gehirn beobachten? Alle drei Fragen sind berechtigt. Sie führen nur zu unterschiedlichen Zahlen, und wer eine Zahl zitiert, sollte wissen, auf welche Frage sie antwortet.
Die grosse Übersicht: 106 Studien zu Hypnose und Schmerz
Titus Yim und Stuart Derbyshire haben für das European Journal of Pain alle randomisierten Studien zusammengetragen, die Hypnose bei klinischen Schmerzen mit einer Kontrollgruppe verglichen haben, erfasst bis Oktober 2025. 106 Studien erfüllten die Kriterien, 84 davon flossen in die statistische Auswertung ein. Die Arbeit ist am 2. September 2026 erschienen.
Gegenüber Kontrollgruppen ohne aktive Behandlung, also Wartelisten oder der üblichen Versorgung, war die Schmerzintensität nach Hypnose geringer. Diese Auswertung stützt sich auf 57 Studien mit zusammen 4572 Teilnehmenden. Im Vergleich mit Entspannungsverfahren, Schmerzedukation oder kognitiver Verhaltenstherapie schnitt Hypnose ähnlich ab, aber nicht besser. Unterschiede nach Schmerzart oder danach, ob die Hypnose live oder über eine Aufnahme stattfand, fanden die Autoren nicht. Ihr Schluss: Hypnose bringt eine moderate Schmerzlinderung, vergleichbar mit anderen psychologischen Verfahren, und kann für ausgewählte Patientinnen und Patienten eine risikoarme, unterstützende Behandlung sein.
Die genaue Messung: eine Sitzung, 49 Medizinstudierende
Ganz anders gebaut ist eine Studie der Universität Padua, erschienen im Februar 2026 in Scientific Reports. 49 Medizinstudierende im letzten Studienjahr riefen wiederholt eine belastende persönliche Erinnerung wach. Die eine Gruppe erhielt vorher eine einzige, persönlich abgestimmte Hypnosesitzung, die andere eine Übung mit Aufmerksamkeit auf den Atem.
In der Hypnosegruppe verbesserten sich Planen und Problemlösen, gemessen mit dem Tower-of-London-Test, deutlicher als in der Vergleichsgruppe. Stress und Angst nahmen ab, während der Stress in der Kontrollgruppe stieg. Auch der Körper zeigte es: Die Herzratenvariabilität als Zeichen von Erholung nahm zu, heftige Stressspitzen im Hautleitwert wurden seltener, und die Teilnehmenden verbrachten weniger Zeit in der Stressreaktion. Die Forschenden beschreiben das als Verschiebung zu einem Muster, das eher nach Herausforderung aussieht als nach Bedrohung.
Die Studie ist klein und nicht randomisiert, und niemand in ihr hatte vorher Erfahrung mit Hypnose. Sie sagt nichts darüber, wie gut Hypnose im Durchschnitt wirkt. Sie zeigt dafür sehr genau, was eine einzelne Sitzung in einer konkreten Drucksituation im Kopf und im Körper verändern kann.
Die Grundlagen: was im Gehirn passiert
Die dritte Frage ist die älteste: Ist Hypnose ein eigener Zustand, oder nur Entspannung und Einbildung? Hier setzen die drei Studien der Universität Zürich an. Sie arbeiteten mit fMRT, EEG und Magnetresonanzspektroskopie, alle mit demselben Studiendesign. Jeweils gut fünfzig hypnoseerfahrene Personen wurden im Scanner durch denselben gesprochenen Text zuerst in eine leichtere Hypnosetiefe (Somnambulismus) und dann in eine sehr tiefe (Esdaile) geführt und blieben rund zwanzig Minuten darin.
Das Ergebnis: Die beiden Tiefen lassen sich im Gehirn unterscheiden, in den funktionellen Netzwerken (de Matos et al., 2023), im EEG (Niedernhuber et al., 2024) und erstmals auch in der Neurochemie (de Matos et al., 2024). Den Forschenden ging es dabei ausdrücklich um ein grundlegendes Verständnis und nicht um eine Therapieform. Deshalb brauchten sie eine Einleitung, die bei allen Teilnehmenden gleich klingt.
Zu diesen Studien durfte OMNI etwas beisteuern: die standardisierte Einleitung, die auf die Dave-Elman-Induktion zurückgeht. Sie sorgt dafür, dass alle mit denselben Worten in Hypnose geführt werden, und macht die Messungen überhaupt erst vergleichbar. Laut den Forschenden war es weltweit das erste Projekt, das Hypnose so standardisiert und mit mehreren Messverfahren zugleich erforscht hat.
Was die OMNI Hypnoseausbildung daraus mitnimmt
Hansruedi Wipf, Präsident von OMNI Hypnosis International, hat seine formelle Hypnoseausbildung 2006 bei Gerald F. Kein gemacht. Zwei Jahre später gab Kein ihm eine Prognose mit auf den Weg: Je mehr Erfolg er mit der Hypnose habe, desto häufiger werde er auf Widerstand stossen. Beim HypnoScience® Projekt mit der Universität Zürich, so beschreibt es Wipf im Nachwort des OMNI-Buchs, traf genau das ein. Er setzte auf das, was sich prüfen lässt, und fasst es in einem Satz zusammen: „Resultate sind das Einzige, was am Ende des Tages zählt.“
Im Unterricht heisst das vor allem Prozesstreue statt Bauchgefühl. Die Einleitungen, die in Zürich als Werkzeug dienten, stammen aus der Linie Dave Elman und Gerald F. Kein und sind so präzise beschrieben, dass sie sich wiederholen lassen. Genau dieses Handwerk steht in der Ausbildung im Mittelpunkt, zusammen mit dem Grundsatz „Regress to Cause and fix it“: zur Ursache eines Themas gehen, statt nur das Symptom zu beruhigen. Seit 2015 sind Ausbildung und Therapieprozess nach ISO 9001 zertifiziert, OMNI war damit die erste Firma im Bereich der Hypnose weltweit. Über 20.000 zertifizierte Absolventinnen und Absolventen arbeiten heute danach.
Wer mit Schmerzen, Stress oder einem anderen Anliegen Unterstützung sucht, findet auf hypnose.net ausgebildete Hypnosetherapeutinnen und Hypnosetherapeuten in der Nähe. Und wen beim Lesen vor allem die Frage reizt, wie aus einer standardisierten Einleitung eine gute Sitzung wird, der findet in der OMNI Hypnoseausbildung den nächsten Schritt.
Quellen
- Yim, T. H., & Derbyshire, S. W. G. (2026). A Systematic Review of Hypnosis for Clinical Pain Relief. European Journal of Pain, 30(8), e70369. doi.org/10.1002/ejp.70369
- Queirolo, L., Boscolo, A., et al. (2026). Hypnosis reshapes multilevel stress response and enhances executive performance in stressed medical students. Scientific Reports, 16, 8844. nature.com/articles/s41598-026-40770-6
- de Matos, N. M. P., et al. (2023). Investigating functional brain connectivity patterns associated with two hypnotic states. Frontiers in Human Neuroscience, 17, 1286336. doi.org/10.3389/fnhum.2023.1286336
- Niedernhuber, M., et al. (2024). An interhemispheric frontoparietal network supports hypnotic states. Cortex, 177, 180-193. doi.org/10.1016/j.cortex.2024.05.008
- de Matos, N. M. P., et al. (2024). Neurochemical dynamics during two hypnotic states evidenced by magnetic resonance spectroscopy. Scientific Reports, 14. doi.org/10.1038/s41598-024-80795-3
- Universität Zürich (2025). Tief entspannt und gleichzeitig fokussiert. UZH News. news.uzh.ch
- Westenthanner, R.-M., & Popp, E.-M. (2025). Mit Hypnose gewinnen. Die Geschichte von OMNI. Kapitel HypnoScience und Nachwort.





























