Einschlafen im Herbst: wenn Kinder abends nicht abschalten

Ab dem 25. Oktober werden die Abende wieder früher dunkel, und in vielen Familien dauert das Zubettgehen dann länger als der ganze Abend davor. Das Kind liegt wach, kommt noch einmal aus dem Zimmer, hat noch eine Frage, hat noch ein Geräusch gehört, hat einen Gedanken, der nicht aufhört. Eltern kennen das, und sie haben meist schon vieles ausprobiert: feste Zeiten, gedimmtes Licht, eine dritte Geschichte. Manchmal reicht das, manchmal nicht. Dann lohnt der Blick darauf, was abends im Kopf eines Kindes eigentlich los ist.
Was abends im Kopf eines Kindes passiert
Kinder denken nicht wie Erwachsene. Das HypnoKids® Buch von Hansruedi Wipf und Barbara Scholl beschreibt, dass ein Kind noch nicht im erwachsenen Sinn logisch denkt, in seiner eigenen Welt lebt und alles, was geschieht, auf sich bezieht. Ein Streit der Eltern, ein Film, ein Satz im Klassenzimmer: Das Kind speichert es dort ab, wo es sich gerade am nächsten anfühlt, und abends, wenn es still wird, meldet es sich wieder.
Dazu kommt etwas, das Kindern vertraut ist. Laut dem Buch sind Kinder jeden Tag mehrmals in einem hypnotischen Zustand: vor dem Einschlafen, beim Aufwachen, beim Fernsehen, beim Spielen am Bildschirm, beim Sport, im Tagtraum. Hypnose ist für ein Kind also nichts Fremdes. Es ist ein Zustand, in dem es ohnehin viel Zeit verbringt, fokussiert, in Bildern denkend, mit einer Fantasie, die für es so wirklich ist wie der Küchentisch. Und er hat nichts mit Schlaf zu tun: Ein Kind in Hypnose schläft nicht, es kann sich an alles erinnern, und es darf jederzeit die Augen öffnen.
Was die Forschung zu Hypnose bei Kindern zeigt
Jenny Rosendahl und ihr Team haben 2024 in Frontiers in Psychology 49 Meta-Analysen mit zusammen 261 Einzelstudien ausgewertet, die Hypnose bei körperlichen und psychischen Beschwerden untersucht haben. Die stärkste Evidenz lag bei medizinischen Eingriffen und bei Schmerz. Besonders deutlich fielen die Effekte in Studien mit Kindern und Jugendlichen aus, unerwünschte Wirkungen wurden kaum berichtet.
Zum Schlaf ist die Datenlage dünner. Eine Übersichtsarbeit von Mohammed Al-Beltagi im World Journal of Experimental Medicine (Dezember 2025) wertet randomisierte Studien, Kohortenstudien und Fallserien bis August 2025 aus. Am besten belegt ist Hypnose danach bei Schmerz und Angst rund um medizinische Eingriffe. Die Qualität der Belege nennt die Arbeit insgesamt ungleichmässig, es fehlen grosse Studien. Eine kleine Langzeitstudie in der International Journal of Clinical Pediatrics begleitete 53 Kinder zwischen 6 und 17 Jahren mit Angststörungen, Bettnässen oder Schlafstörungen im Mittel gut zwei Jahre lang. Bei den Angststörungen erreichten 55 Prozent ein gutes bis ausgezeichnetes Ergebnis, bei den Schlafstörungen 37,5 Prozent. Es gab keine Kontrollgruppe, und nur gut ein Drittel der Kinder übte zu Hause weiter.
Zwei dokumentierte Fälle aus dem HypnoKids® Buch
Im Buch schildern die behandelnden Spezialistinnen und Spezialisten Fälle aus ihrer Praxis. Zwei davon drehen sich um den Schlaf.
Ein fünfjähriger Junge von einem abgelegenen Bauernhof schlief schlecht ein und durch und mochte nicht in den Kindergarten, der eine Stunde Postauto entfernt lag. Marian Gort, HypnoKids® Spezialistin in Flims, zeichnete ihm eine Schaltzentrale im Kopf, in der kleine Männchen Tag und Nacht für ihn arbeiten. Zwei Wochen später dankte der Junge seinen fünf Männchen jeden Abend für ihre Arbeit, und gemeinsam machten sie die Schlafkontrolle. Der Kindergarten blieb schwierig, das Glücksamulett begleitete ihn trotzdem jeden Tag.
Ein elfjähriges Mädchen konnte abends oft erst nach 23 Uhr einschlafen und lief bis dahin durchs Haus. Im Vorgespräch erzählte sie, dass sie Angst hatte, das Haus könnte abbrennen und sie könnte die Familie nicht retten, wenn sie schläft. Monika Stocker, HypnoKids® Spezialistin in Zürich, führte das Mädchen in einer kindgerechten Regression zurück zu einem Fernsehbild mit einem brennenden Haus, das es mit zwei Jahren gesehen hatte. Wenige Tage später ging das Mädchen einfach ins Bett und schlief. Drei Monate später kam ein neues Thema: Es konnte nicht aufhören zu denken. Diesmal stellte es sich einen Sessellift in den Bergen vor, bei dem es abends den Stopp-Knopf und morgens den Startknopf drückt. Laut der Mutter hatte es danach keine Schlafprobleme mehr.
Was HypnoKids® anders macht
Das Buch erklärt an einem Beispiel, warum es um die Ursache geht und nicht nur um das Symptom. Ein Vierjähriger wird zur Strafe in sein dunkles Zimmer geschickt und fühlt sich allein. Ein halbes Jahr später löst eine Spinne im Keller die Panik aus, und die Spinnenangst bleibt. Wer nur die Spinne behandelt, übersieht den dunklen Raum. Dieses Prinzip heisst in der OMNI Methode „Regress to Cause and fix it“. Bei Kindern geschieht es spielerisch, oft mit offenen Augen, bei sehr kleinen auf dem Schoss der Eltern und stellvertretend mit dem Kuscheltier. Die Eltern spielen die Abendrituale danach mit dem Kind zu Hause durch, nach dem Gedanken „Hilfe zur Selbsthilfe“.
Barbara Scholl hat 2008 bei ihrem Bruder Hansruedi Wipf, dem Präsidenten von OMNI Hypnosis International, die OMNI Hypnoseausbildung gemacht. Heute unterrichtet sie die ISO 9001 zertifizierte HypnoKids® Methode und therapiert am OMNI Hypnosecenter in Effretikon, ihr Spezialgebiet sind Kinder und Jugendliche. Die Wurzeln der Methode liegen in der Linie von Dave Elman und Gerald F. Kein.
Was Eltern wissen können, bevor sie sich entscheiden
Eine Sitzung beginnt mit einem Vorgespräch, in dem die Therapeutin oder der Therapeut dem Kind altersgerecht erklärt, was Hypnose ist. Am Ende kommen die Eltern zurück ins Zimmer und bekommen eine grobe Zusammenfassung, ohne Details. Die Kinder entscheiden selbst, was sie erzählen. Das Buch beschreibt als häufige Begleiterscheinung nach der Sitzung einen tiefen, erholsamen Schlaf am Abend. Anhaltende Schlafprobleme gehören zuerst in die kinderärztliche Abklärung, Hypnose kann sie ergänzen.
Wer Unterstützung für das eigene Kind sucht, findet auf hypnose.net ausgebildete Hypnosetherapeutinnen und Hypnosetherapeuten in der Nähe. Und wer lieber selbst lernen möchte, wie man Kindern so begegnet, findet in der OMNI Hypnoseausbildung den nächsten Schritt. Über 20.000 zertifizierte Absolventinnen und Absolventen arbeiten weltweit danach.
Quellen
- Rosendahl, J., Alldredge, C. T., & Haddenhorst, A. (2024). Meta-analytic evidence on the efficacy of hypnosis for mental and somatic health issues: a 20-year perspective. Frontiers in Psychology. doi.org/10.3389/fpsyg.2023.1330238
- Al-Beltagi, M. (2025). Clinical hypnosis in pediatric care: An adjunctive tool or therapeutic illusion. World Journal of Experimental Medicine, 15(4). doi.org/10.5493/wjem.v15.i4.114554
- Minosh, Schwartz & Badalyan (2013). Hypnosis in 53 Children With Anxiety Disorders, Nocturnal Enuresis, or Insomnia. International Journal of Clinical Pediatrics. theijcp.org
- Wipf, H., & Scholl, B. HypnoKids® Das Buch. Kapitel zur HypnoKids® Methode, Fallschilderungen von Marian Gort und Monika Stocker.
- Westenthanner, R.-M., & Popp, E.-M. (2025). Mit Hypnose gewinnen. Die Geschichte von OMNI.





























