Was hat Prüfungsangst mit goldenen Spaghetti zu tun?

«Wenn ich morgens nicht aus dem Bett komme, muss ich nicht zur Schule gehen – und dann muss ich auch keine Prüfungen schreiben.» Der Schulabschluss des 15jährigen Sven steht auf der Kippe. Seit der dritten Sekundarschulklasse leidet der Junge unter einer lähmenden Prüfungsangst. Obwohl er sich anstrengt, auf die Prüfungen hin büffelt, sich von seinen Eltern abfragen lässt, hat er während der Prüfungen immer wieder Blackouts und fühlt sich so immer mehr als Versager. Seine Vermeidungsstrategie, nämlich immer mal wieder wegen Kopfschmerzen, Bauchweh oder Übelkeit der Schule fernzubleiben, soll ihn vor dem Versagen schützen, greift aber – wie soll es auch anders sein – ins Leere. Mit der Zeit gibt er innerlich auf. Gerät so in den Sog einer sich immer schneller drehenden Abwärtsspirale. Seine Eltern sind überfordert, ratlos, hilflos.

Wieso Kinder unter Prüfungsangst leiden.

«Sven ist mit seiner Leidensgeschichte bei weitem nicht der Einzige. Prüfungsangst und Schulverweigerung sind Themen, die ich im letzten Jahr noch häufiger als zuvor in meiner Praxis antreffe», schildert Barbara Scholl, Hypnosetherapeutin OHTC, NGH und OMNI Hypnose Instruktorin. «Für viele Kinder beginnt oft schon im Kindergarten der Ernst des Lebens.» Bereits im zarten Alter von 5 – 6 Jahren fangen sie nämlich an, sich mit anderen zu vergleichen und zu messen. In den ersten Schuljahren stehen Kinder oftmals schon unter Druck: sie wollen den Lehrern und den Eltern gefallen.

«Aufgrund negativer und belastender Ereignisse baut sich im Unterbewusstsein des Kindes langsam und unbemerkt eine negative emotionale Erfahrungsspur auf», so Scholl weiter. «Es braucht dann nur noch einen finalen Auslöser, der das Fass zum Überlaufen bringt und Symptome an die Oberfläche schwemmt – wie zum Beispiel Blackouts an Prüfungen.» Gemäss der Hypnosetherapeutin setzt sich so unweigerlich ein Teufelskreis in Gang. Während sich das Kind anstrengt, die Hausaufgaben macht, zusammen mit den Eltern büffelt, regelmässig zur Nachhilfe geht, baut sich noch mehr Druck auf. Und immer häufiger kommt es zu Blackouts. So werden Prüfungen zum Schreckgespenst auf der emotionalen Ebene des Kindes.

«Die emotionsgesteuerte Amygdala – das Warnsystem im Hirn – löst zum vermeintlichen Schutz des Kindes zuverlässig Alarm aus, wenn zum Beispiel eine Prüfung ansteht. Sobald der Lehrer oder die Lehrerin die Prüfungsfragen aushändigt, schlägt die Amygdala Grossalarm: Warnbotenstoffe werden in den Körper des jungen Menschen gepumpt. Die Pupillen weiten sich. Die Atmung beschleunigt sich. Das Herz rast. Die Hände… schweissgebadet. Das Hirn hat nur noch ein Ziel: Flucht. Und so lässt der Körper blitzartig grosse Mengen von Blut in die Füsse und Beine strömen. Startklar zum blindlings Davonrennen», schildert die Co-Autorin des Bestsellers «Hypnosetherapie für Kinder und Jugendliche».

Doch dem Kind bleibt nichts anderes übrig als sitzen zu bleiben – wie angewurzelt. Sein Hirn wird da, wo das logische Denken stattfindet, nicht mit genügend Sauerstoff versorgt. Was passiert? Es kommt zum Blackout: alle Formeln, Zahlen und Vokabeln sind weg, verschwunden. Dem Kind ist es in diesem Zustand unmöglich, das gelernte Wissen abzurufen.

Und zu Hause kommt dann dies: Wie sage ich es meinen Eltern? Womöglich schimpfen die Eltern mit dem Kind, machen ihm Vorwürfe – weil sie sich Sorgen um seine Zukunft machen. «Findet unser Kind überhaupt eine Lehrstelle? Schafft es die Aufnahmeprüfung ins Gymi? Kann es gar mithalten in der leistungsorientierten Gesellschaft?» Und so dreht sich der Teufelskreis weiter und weiter.

«Irgendwann verzweifeln die Kinder, geben sie auf, lernen gar nicht mehr. Wozu auch? Diese Resignation zeigt sich dann womöglich in Essstörungen – wovon vorwiegend Mädchen betroffen sind – oder in aggressivem Verhalten in der Familie – das oftmals bei Jungs beobachtet wird», so Scholl.

Wie Hypnosetherapie bei Kindern und Jugendlichen funktioniert.

«Wenn junge Menschen wegen Prüfungsangst zu mir in die Praxis kommen, zeige ich ihnen die grosse und äusserst eindrückliche Kunst-Fotografie des menschlichen Gehirns. Auf den ersten Blick denkt man, dass das darauf abgebildete Hirn aus goldenen Spaghetti besteht. Dieses fotografische Kunstwerk stellt die neuronalen Verknüpfungen im Gehirn dar. Ich erkläre meinen jungen Kunden, wo die Amygdala sitzt und wie sie als Alarmzentrale in ihrem Hirn tätig ist», schildert die Mutter von 3 Kindern. Gemäss ihren Aussagen macht sich eine grosse Erleichterung auf den Gesichtern der Kinder und Jugendlichen bemerkbar, wenn sie realisieren, dass ihre Willenskraft gegenüber der Prüfungsangst sogar hinderlich ist, dass die Amygdala dann noch mehr Alarm schlägt und noch mehr Blut und Sauerstoff in die unteren Extremitäten ihres Körpers zur Fluchtreaktion sendet. «Jetzt plötzlich lichtet sich der Nebel. Die Kinder beginnen zu verstehen, dass die starken Emotionen in ihrem Unterbewusstsein das Kommando übernehmen, wenn es brenzlig wird. Nur schon diese Information löst eine enorme Erleichterung bei den Kindern und Jugendlichen aus.»

Die Hypnose ist ein natürlicher Aufmerksamkeitszustand, den wir alle kennen und täglich selbst erfahren. «In der Hypnosetherapie lernen die Kinder, ihre Aufmerksamkeit nach innen zu richten und zu erkennen, dass sie über alle Ressourcen, die sie brauchen, auch verfügen. In den Sitzungen höre ich oft: Was, ich kann zu meiner Amygdala sprechen? So cool!» Erfahrungsgemäss rechnet Barbara Scholl mit einer bis zwei Hypnosetherapiesitzungen. Die Kinder und Jugendlichen lernen unter Anleitung, die negative emotionale Erfahrungsspur selbst aufzuarbeiten. Sie werden von der Therapeutin lediglich durch den Prozess begleitet, die Arbeit müssen sie selbst erledigen. Als Hypnosetherapeutin hört Barbara Scholl immer wieder: «Wow, eigentlich habe ich das ganz allein hingekriegt, mit meinen goldenen Spaghetti im Hirn, krass!». Laut der Therapeutin handelt es sich bei der OMNI Hypnosetherapie um eine Kurzzeittherapie. «Denn die Kinder und Jugendlichen sollen so rasch als möglich wieder zurück auf den Fussballrasen, das Trampolin oder hinter spannende Bücher. Da gehören sie schliesslich hin.»

Was Eltern und Erziehungsberechtigte konkret tun können, wenn ihr Kind unter Prüfungsangst leidet.

«Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche nicht zu einer Hypnosetherapiesitzung gezwungen werden. Vielmehr sollen die Eltern und Erziehungsberechtigten die Neugier dafür bei ihrem Sprössling wecken. So soll sie oder er sich auf der Webseite des Hypnosetherapeuten auch selbst schlau machen.» Barbara Scholl empfiehlt, gerade Teenager in den Entscheidungsprozess miteinzubeziehen. «Sie oder er ist nämlich Teil der Lösung. Hypnose ist immer Teamwork.»

Die Hypnosetherapeutin ist der Meinung, dass es wertvoll sein kann, wenn die Eltern auch einmal in die Hypnosetherapie kommen, damit sie die Existenzängste für ihr Kind ablegen und ihm stattdessen mehr Vertrauen schenken können. Das wiederum kann dem Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl des Kindes unheimlich viel Aufwind verleihen.

In der Hypnosesitzung mit Sven ist laut Barbara Scholl zu Tage gekommen, dass das Kind im Kindergarten dreimal zur Bestrafung während mehreren Minuten auf einem Stuhl sitzend und gegen die Wand blickend ausharren musste. Der Junge, der diese Strafe nicht nachvollziehen konnte, fühlte sich vor allen anderen blossgestellt, empfand ein tiefes Schamgefühl – was negative Glaubenssätze bei ihm auf der Gefühlsebene erzeugt hat: «Ich genüge nicht. Ich bin falsch.» In der Primarschule wird dem Jungen später auffälliges und provokatives Verhalten vorgeworfen. Dieser wiederum fühlt sich oft unfair behandelt. Mit der Zeit staut sich beim ihm immer mehr Wut auf. Bis schliesslich seine schulische Leistung in der Sekundarschule absackt. «Nach zwei Hypnosetherapiesitzungen sind die Prüfungsängste bei Sven verflogen. Seither stellt sich der Junge den Prüfungen wieder. Mittlerweile hat er die Schule abgeschlossen und seine Wunschlehrstelle angetreten. Gemäss seiner Mutter ist er wieder glücklich und gut gelaunt. Auch der Lehrmeister ist zufrieden mit den Leistungen des Teenagers. Die Eltern sind sehr erleichtert und dankbar.»

Über Barbara Scholl, OMNI und HypnoKids® Instruktorin

Bereits seit über 13 Jahren hat Barbara Scholl ihre Scheinwerfer ganz auf die Hypnose gerichtet. Zuvor war sie während 14 Jahren passionierte Fachlehrerin in Englisch auf Sekundarstufe. Barbara Scholl ist Fachreferentin an Kongressen in Europa und den USA zum Thema Kinder- und Jugendhypnose sowie Hypnosetherapeutin am OMNI Hypnosecenter in Effretikon. Sie ist gern gesehene Referentin an Berufsschulen sowie firmeninternen Weiterbildungen für Lernende jeglichen Alters zum Thema „Mindset in Pole Position“.
Mehr Informationen unter: https://barbarascholl.com/de/

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